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Mittwoch, 27.04.2005, 20.00 Uhr
Vipers im Palais Thienfeld, Graz

    Plakat

Kalle Laar | Imaginäres Klangmuseum

Kalle Laar (D)DJ, Projektionen

s c i e n c e  &  s c i e n c e  f i c t i o n
... unser beitrag zum einstein-jahr: eine klangraumfahrt mit dem soundmuseum-mothership. von tönenden wissenschaftlern zu blubbernden satelliten, echte kosmonaten-konversation und falsche ddr-raumschiffkapitäne im staub der sterne, mit sun ra und funkadelic auf planeten-tour. bernard hermann & bebe barron begleiten wernher von braun und uns auf die große fahrt. space is the place!

"Zusammen mit der Schallplatte ist auch ein Teil der Geschichte unserer Populärkultur dabei zu verschwinden. Alles, was aus der ungeheueren Vielfalt der Schallplattenproduktion unseres Jahrhunderts übrig zu bleiben droht, sind die ewig aufs Neue reproduzierten sicheren Verkaufserfolge. Die eher (im doppelten Sinn des Wortes) merkwürdigen Beispiele finden nur noch Anklang bei speziellen Sammlern, sofern nicht eine kurzfristige Mode bestimmte Musikformen vorübergehend repopularisiert." (Kalle Laar)


Schon seit Jahren betätigt sich Kalle Laar, der Münchener Gitarrist, Komponist und Elektroniker , als Klangarchäologe besonderer Art. Tausende Schallplatten hat der heute 48-Jährige, nebenbei studierte Historiker , zusammengetragen, Vinylscheiben mit Musik, die niemand hören möchte, Raritäten und Kuriosa aus rund einem halben Jahrhundert Schallplattengeschichte: Schrullige Speicher des Abseitigen, Alltäglichen, Andersartigen, des Bizarren, Banalen, Besonderen. Tierstimmenexotika und Werbejingles, ethnische Heilklänge und haushaltsmedizinische Tipps nebst allen Arten ausgefallener Musik. Kalle Laar erweckt diese Klänge zwischen Trashkultur und Obskurantismus in seinen mittlerweile legendären "Nächten der verlorenen Musik" wieder zum Leben. Als Spiel mit konkreter, zeitbezogener Erinnerung und deren Abstraktion in fantastischen Soundcollagen versteht Laar seine Performances, in die man sich beliebig ein- und ausklinken kann. Die den Hörer immer wieder auf sich selbst zurückwerfen, in ihm eigene Gedanken und Bilder wachrufen, und ihn doch nie der Nostalgie überlassen. Laar selbst, der auch schon mit Elliott Sharp und Christian Marclay kollboriert hat und den mit dem in Berlin lebenden Elektroniker zeitblom eine langjährige Zusammenarbeit verbindet, nennt diese seine oft auch von Visuals und Projektionen begleiteten Exkurse in vergessene, verdrängte Tiefen des kulturellen Gedächtnisses des 20. Jahrhunderts "Hör-Reisen" oder "Ohren-Kino". Wobei der Verlauf des Abends dem jeweiligen Thema folgt, das improvisatorisch umkreist wird. Auf diese Weise findet der DJ, vergleichbar den Schriftstellern und bildenden Künstlern, auf seinem Weg durch die Klanglandschaften zu neuen, nichtlinearen Erzählweisen.
Andreas Felber

Links
Kalle Laar http://www.klangmuseum.de/kalle_bio.htm
http://www.electroniclounge.de/00_artists/00_laar.shtml